Geschichte

Wie alles anfing


Die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeigten, dass die internationalen Beziehungen sich sehr schnell ändern könnten. Die Konfrontationen zwischen Ost und West strebten einem neuen Höhepunkt zu. Mit der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen hielt die Welt wieder einmal den Atem an. Sollte es wie bei den vergangenen Aufständen innerhalb des Ostblocks zu einem blutigen Niederschlagen kommen? Sollten die Polen das gleiche Leid erfahren wie es die Deutschen (17. Juni 1953), die Ungarn (1956), die Tschechen und Slowaken (1968) erleiden mussten. Sollte die Ostpolitik Deutschlands, die mit dem Kniefall des Bundeskanzlers Willy Brandt einen symbolischen Höhepunkt hatte, gescheitert sein?


Solidarnosc

Die polnische Gewerkschaft Solidarnosc, die aus dem Streik der Arbeiter der Danziger Lenin Werft

hervorgegangen war, beschloss trotz des Verbots und der Verhaftung führender Köpfe im Exil weiterzuarbeiten. Die wichtigsten Exilbüros befanden sich in Bremen und Brüssel. 1988 kam es zu Gesprächen zwischen der polnischen Regierung und der Untergrund-Solidarnosc, welche zum sogenannten "Runden Tisch" führten. Als Ergebnis der Gespräche fanden 1989 die ersten halbfreien Wahlen im Polen der Nachkriegszeit statt.


Die Wende

Mit Tadeusz Masowiecki stellte Solidanosc den ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit. Durch das Aufkommen der Arbeiterbewegung sowie die Politik des Glasnost und der Peristoika des Michail Gorbatschow kam es nicht nur zur Wende in Polen sondern auch zum Fall der Berliner Mauer (1989) und zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Lech Walesa wurde 1990 zum Präsidenten der III. Republik gewählt. Bei den ersten freien Wahlen (1991) siegten die Reformkräfte in Polen überwältigend. Die Demokratisierung war unumkehrbar geworden.

In Klodzko ...


Auch in Klodzko vollzog sich die Wende. Wojciech Matuzewski wurde 1990 erster frei gewählter Bürgermeister von Klodzko. Sein Nachfolger besuchte im Juni 1991 mit einer Delegation Bensheim und sprach im Rathaus vor. In Bensheims damaligen Bürgermeister Georg Stolle fand er nicht nur einen Zuhörer, sondern einen Befürworter für die Kontakte zwischen den Städten. Eine erste Absichtserklärung für die Zusammenarbeit wurde am Tag der Deutschen Einheit 1991 unterzeichnet. 1992 besuchten zum ersten Mal Schülerinnen und Schüler des Goethe Gymnasiums Klodzko.


... und in Bensheim

In Bensheim hegte die Bevölkerung, wie überall in Deutschland Sympathie für Polen. Die Polen hatten durch

Ihren Mut und ihre Standhaftigkeit dazu beigetragen, dass Deutschland vereint ist. Dafür sind wir Deutschen dankbar. Einige Bensheimer Bürger polnischer Herkunft, allen voran die Ehepaare Piechowiak und Trzeskowski, setzten sich für die deutsch-polnischen Beziehungen ein. Am 3. August 1993 trafen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger deutscher und polnischer Nationalität und gründeten den Deutsch-Polnischen Freundschaftskreis Bensheim-Glatz/Klodzko Zur ersten Vorsitzenden wurde Johanna Adler gewählt. Andrzej Piechowiak wurde ihr Stellvertreter. Die erste Mitgliederliste vom 23. 10. 1993 weist 33 Personen aus. Ein großer Zuspruch für einen neuen Verein.

Seit 1996 besteht eine Partnerschaft zwischen den Städten. Der Partnerschaftsvertrag wurde am 22. Mai 1996 in Klodzko und am 31. August 1996 in Bensheim unterzeichnet. er trägt die Unterschriften von Malgorzata Kwiatowska und Georg Stolle.

Die ersten zehn Jahre

Johanna Adler verstand es, Menschen für den Verein zu gewinnen. Auf ihre persönliche Art sprach sie Bürgerinnen und Bürger an und überzeugte diese von der Notwendigkeit des Eintritts. In seiner Blütezeit umfasste der Freundschaftskreis 90 Mitglieder.

Nach zehn Jahren Tätigkeit als Vorsitzende trat Johanna Adler nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden zur Wahl an. Sie wollte mehr Zeit für die Familie und andere Interessen haben. Mit ausschlaggebend für den Rückzug kann gewesen sein, dass auch Bürgermeister Stolle nach dreißigjähriger Amtszeit in den Ruhestand ging.

Kontinuität und Innovation

 

Im April 2004 wählte die Mitgliederversammlung auf Johanna Adlers Vorschlag Günter Wetzel zum neuen Vorsitzenden. Dem Vorstand gehörten neben einigen alten Mitgliedern auch neue Gesichter an. Auf eigenen Wunsch wurde Johanna Adler nicht in den Vorstand gewählt. Der neue Vorstand sollte frei von Zwängen und Beeinflussungen seinen eigenen Weg finden.

Beim Sommerfest 2004 wurde Johanna Adler zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Georg Stolle, der "Vater der Partnerschaft", wurde Ehrenmitglied.

Der neue Vorstand hatte es anfangs schwer. Zum Einen war Johanna Adler eine Institution, sie hat Spuren hinterlassen. Der Rückzug Johanna Adlers aus der Vorstandsarbeit bewirkte, dass Mitglieder den Verein verließen.

Zum Andern hat Partnerschaft mit europäischen Städten nicht mehr den Stellenwert im Bewusstsein der Bevölkerung wie vor zwanzig Jahren. Viele Ziele von damals scheinen erreicht. Polen gehört seit 1999 der NATO an, am 1. Mai 2004 trat es der Europäischen Union bei.

Und die Finanzen der Stadt Bensheim sind auch nicht so, dass Geld mit vollen Händen in Partnerschaften gesteckt werden kann. Bürgermeister Thorsten Herrmann betont immer wieder, dass die Partnerschaften sinnvoll und wichtig seien, Finanzmittel zielgerichtet eingesetzt werden müssen.

2006 feierten die beiden Städte das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft und erneuerten das Bündnis durch eine Urkunde.


Der Vorstand des Freundschaftskreises, der in gleicher Zusammensetzung bestätigt worden war, wirkte bei der Gestaltung der Feierlichkeiten maßgebend mit.

Im Jahr 2008 gab es geringfügige Veränderungen im Vorstand Eva Kreuzer schied als Zweite Vorsitzende aus, an ihre Stelle trat Wera Grimm. Siegfried Kreuzer wurde zum Beisitzer bestellt. Hans Seibert wurde für Doris Bodemann zum Vertreter der Stadt im Vorstand bestimmt.


Auf dem Sommerfest wurde der langjährige Vorsitzende des polnischen Freundschaftskreises Mieczyslaw Bromboczsz zum Ehrenmitglied der Freundeskreises ernannt.

Im Jahr 2010 ergaben die Wahlen eine Verkleinerung des Vorstands. Nach dem Ausscheiden der Beisitzer Gisela Bonk und Siegfried Kreuzer umfasst der Vorstand noch sieben Personen.

 

2014 wurde der aktuelle neue Vorstand gewählt!